Mit Schutzmaske zum angebrannten Essen
Traunreut - Großalarm am Sonntagmorgen: Die Feuerwehr stieg mit Steckleitern auf einen Balkon auf den 1. Stock eines Wohnhauses. Doch die Aufregung war umsonst.
Gegen 9.45 Uhr wurden die Feuerwehr Traunreut und das Rote Kreuz zu einem Wohnhausbrand am St. Georgsplatz gerufen. Die Feuerwehr stieg mit Steckleitern auf einen Balkon im ersten Stock, Atemschutztrupps gingen zeitgleich durch das Treppenhaus zu der betroffenen Wohnung. Dort stellte man aber fest, dass doch nur Essen angebrannt war. Was Einsatzkräfte aber vorher nicht wussten. Das Treppenhaus wurde noch von der Feuerwehr belüftet.
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Quelle: Chiemgau24.de
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Traunreut / Rosenheim. Es ist nicht viel passiert bei einem kleinen Brand in einem Mehrfamilienhaus am St.-Georgs-Platz in Traunreut in der Nacht zum Samstag, der Schaden liegt bei gerade mal 8000 Euro. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde. Und: Die starke Rauchentwicklung brachte einen Bewohner so sehr in Panik, dass er sich an der Hausmauer filmreif, fast wie Tarzan an einer Liane, abseilte.
Das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd schreibt in seiner Pressemitteilung von einer „bisher ungeklärten Brandursache“, will aber, wie Polizeisprecher Jürgen Thalmeier auf Rückfrage erklärte, eine Brandstiftung nicht ausschließen: „Der Verdacht liegt nahe.“ Auch von Seiten der Traunreuter Polizei und der Freiwilligen Feuerwehr Traunreut war zu erfahren, dass Anzeichen für eine Brandstiftung vorlägen.
So war einer der Flammenherde – wenn auch sehr unscheinbar – eine qualmende Mülltonne vor dem Haus, wie Robert Walter von der Traunreuter Feuerwehr berichtet. Zwei weitere Brandherde gab es im Haus, im zweiten Stock des Gebäudes: zum einen eine weitere Mülltonne, in der etwas kokelte, zum anderen etwas Unrat vor einer Wohnungstür, der in Brand geraten war, so Walter.
Ein Bewohner, der die Integrierte Leitstelle wohl gegen 3 Uhr angerufen hatte und sogar mit einer Atemschutzmaske ausgerüstet war, hatte bereits selbst die Brandherde bekämpft und war damit auch weitgehend erfolgreich. Die Feuerwehr löschte die qualmenden Bereiche endgültig, beseitigte die starken Rauchschwaden im Treppenhaus und belüftete die Flure. Weil nicht auszuschließen war, dass der Anwohner, der beim Löschen half, etwas zu viel Rauch abbekommen hatte, wollten ihn die Hilfskräfte untersuchen und ärztlich versorgen, was dieser aber ablehnte.
Die Brandursache wird nun von der Kripo Traunstein genau untersucht. Das Fachkommissariat setzt, wie es in der Pressemitteilung heißt, die Ermittlungen in alle Richtungen fort.
Für eine filmreife Szene sorgte ein Bewohner des Hauses, der sich – offenbar von Panik überwältigt – an der Hausmauer von Balkon zu Balkon abseilte: vom zweiten in den ersten Stock mit Hilfe einer zusammengerollten Plastikfolie und weiter mit Hilfe eines Tischtuchs. Diese abenteuerliche Aktion veranlasst den Kommandanten der Traunreuter Feuerwehr, Ingo Klepke, zu einem Ratschlag an alle, die möglicherweise in eine ähnliche Situation geraten: „Wenn es in einem Mehrparteienhaus zu einem Brand oder zu starker Rauchentwicklung kommt, erst mal die Türen zum Flur geschlossen halten, nicht hinaussehen und neugierig sein. Die Hilfe kommt dann schon, und dann kann man den Gang auch bald rauchfrei bekommen.“ Andererseits kann er den nächtlichen Fassadenkletterer aber auch verstehen. „Das war schon ungewöhnlich und sehr riskant. Aber das spiegelt wohl die Situation in dem Haus wieder. Man macht seine Wohnungstür auf, sieht den Rauch, bekommt Angst, hat irgendwelche Katastrophen aus dem Fernsehen im Hinterkopf, wo viele Menschen ums Leben gekommen sind.“ Und dann sei es eine natürliche Reaktion, dass man nichts wie weg will. Aber, so Klepke, Ruhe sei hier dringend angeraten: „Das Wichtigste ist, sich in der Wohnung in Sicherheit zu bringen.“
Ganze 24 Stunden nach dem von kuriosen Begleitumständen geprägten Brand mussten Feuerwehr und Rotes Kreuz schon wieder zum St.-Georgs-Platz in Traunreut ausrücken. Am Sonntag gegen 9.45 Uhr kam es zu einem weiteren Wohnhausbrand. Die Floriansjünger stiegen mit Steckleitern auf einen Balkon im ersten Stock, Atemschutztrupps gingen durch das Treppenhaus zu der betroffenen Nochmal St. Georgs-Platz
Wohnung, um festzustellen, dass ein Essen angebrannt war. Das Treppenhaus wurde noch von der Feuerwehr belüftet.
Zwei Brände in kurzer Zeit – dieses Unglück ereilte am Wochenende nicht nur Traunreut, sondern auch Rosenheim. Im Zentrum der Innstadt geriet am Sonntagmorgen der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses in Brand. Ein Verkehrsteilnehmer bemerkte gegen 7 Uhr die Flammen in der Prinzregentenstraße. Die Feuerwehren konnten den Brand schnell löschen und alle Hausbewohner sowie die Bewohner des angrenzenden Gebäudes in Sicherheit bringen. Nach bisherigen Erkenntnissen brannten der Dachstuhl und das dritte Stockwerk des Hauses aus bislang ungeklärter Ursache komplett aus. Nach Schätzung der Polizei liegt der Sachschaden im hohen sechsstelligen Bereich. Verletzt wurde niemand.
Bereits am Abend vorher hatten die Floriansjünger einen Wohnungsbrand in einem Mehrfamilienhaus im Rosenheimer Stadtteil Endorfer Au löschen müssen. Gegen 17.35 Uhr war wegen starker Rauchentwicklung in der Tannenbergstraße Alarm geschlagen worden. Auch hier brachte die Feuerwehr die Flammen schnell unter Kontrolle. Die Bewohner konnten das Gebäude unverletzt verlassen. Der Sachschaden wird auf 50 000 Euro geschätzt. Die Kriminalpolizei Rosenheim hat die Ermittlungen zur bislang noch unklaren Brandursache aufgenommen. Das Feuer war im ersten Stockwerk ausgebrochen, in der Wohnung hielten sich zu diesem Zeitpunkt keine Personen auf.
Quelle: Hans Eder / Traunreuter Anzeiger